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15. Schwetzinger MiniSymposium

2. Oktober 2015

Pressemitteilung vom 03.09.2015

 

(Mitteilung vom 10.11.2015)

Am 7. Oktober 2015 fand im Lutherhaus in Schwetzingen das jährliche MiniSymposium der Ärztenetze Schwetzingen, Hockenheim in Zusammenarbeit mit den ze:roPRAXEN statt.

Aufgrund unerwartet zahlreicher Voranmeldungen war die Veranstaltung zum Thema „Sterbehilfe“ kurzfristig verlegt worden. Ca. 200 interessierte Bürger, Vertreter aus Politik, kirchlichen Institutionen, Palliativ- und Hospiz-Verbänden und Ärzte fanden den Weg ins Lutherhaus, um sich diesem brisanten Thema aus verschiedenen Perspektiven zu nähern.

Die Begrüßung im Namen der Veranstalter übernahm Dr. Hans-Jürgen Scholz. Als Vertreter der ze:roPRAXEN führte Dr. Thorsten Siebert durch den Abend.

Eröffnungsredner Lothar Binding, MdB, schilderte, wie er persönlich die Sterbehilfedebatten im Bundestag erlebt hatte. Er stellte anerkennend den großen gegenseitigen Respekt und die Rücksichtnahme der Abgeordneten bei diesem durchaus emotional besetzten Thema heraus. Beeindruckt waren die Zuhörer vom Geständnis, dass eine große Mehrheit der Parlamentsmitglieder selbst unsicher sei, ob und wie der Umgang der Menschen mit dem Lebensende gesetzlich geregelt werden kann oder soll. Der kritischen Frage, ob der Zeitpunkt der Sterbehilfedebatte in Zeiten knapper werdender wirtschaftlicher Ressourcen und einer Überalterung der Gesellschaft bewusst gewählt ist, erteilte Lothar Binding eine kategorische Absage.

Die zur Abstimmung stehenden vier Vorschläge über eine neue gesetzliche Regelung am Lebensende wurden von Olav Gutting, MdB, für alle anschaulich vorgestellt und deren Bedeutung erklärt. Gutting brachte den Beginn der Sterbehilfedebatte in Deutschland mit der Gründung eines Sterbehilfevereins durch einen Hamburger Senator in Zusammenhang und beschrieb die Einigkeit im Bundestag, geschäfts- oder gewerbsmäßige Sterbehilfe verbieten zu wollen. Die anschließende Diskussion zeigte durchaus Kontroversen. So wünschten sich einige Stimmen mehr Rechtssicherheit durch klare Vorgaben für Intensiv- und Palliativmediziner, während andere einräumten, dass der medizinische Fortschritt stets neue kritische Situationen schafft, die unmöglich alle im Vorhinein geregelt oder bedacht werden könnten. Vielmehr sei der Arzt seinem eigenem ethischen Kompass und seinem Patienten verpflichtet und müsse anerkennen, dass der Anspruch an die Linderung des Leidens und den Erhalt des Lebens zu Zeiten zueinander in unauflöslichem Gegensatz stehen.

Der Philosoph Prof. Dr. Jürgen Werner, der an der Universität Witten / Herdecke lehrt, stellte die Frage, welche Sprache für den Umgang mit Tod, Sterben und dem Sterbenden angemessen sei. In seinem Vortrag rückte er das Vertrauen, den Trost und die Hilfe am Lebensende in den Mittelpunkt und entwickelte ein Verständnis vom Menschen, das ihn vor allem als ein Lebewesen sieht, das sich in Verhältnissen bewegt. Werner plädierte dafür, der gnädigen Unbestimmtheit der Lebensgrenze im Sterbeprozess zu entsprechen, indem man sie nicht mit noch mehr juristischem Beiwerk überfrachtet. Es gebe Situationen, in denen das Lassen die bessere Form des Tuns ist. Den Raum für diese Art der Diskretion gegenüber dem Sterben sieht er im Hospiz.

Den abschließenden Vortrag übernahm Prof. Dr. Hubert J. Bardenheuer, Leiter der Palliativstation des Vincentius-Krankenhauses Heidelberg. Mit einer überaus gelungenen Mischung aus Fakten, Schicksalen und Gefühl zeigte er pointiert die Möglichkeiten der modernen Palliativmedizin auf und erklärte, warum nach seiner Ansicht keine Veranlassung besteht, eine gesetzliche Neu-Regelung zu treffen. Stattdessen betonte Prof. Bardenheuer die Notwendigkeit, die palliativmedizinischen Angebote deutschlandweit weiter auszubauen und die Bevölkerung über deren Möglichkeiten und Verfügbarkeit besser zu informieren.

Das 15. Schwetzinger MiniSymposium war eine gelungene Veranstaltung. Dem Thema angemessen erlebten die Zuhörer einen stimmigen Abend. Das durchdachte Konzept, das Thema „Sterbehilfe“ sachlich, politisch, philosophisch-ethisch und persönlich zu erarbeiten wurde durch eine lebhafte Interaktion belohnt.

Der Nachklang am Abend im Lutherhaus erschien gelöst. Die ungelöste politische Aufarbeitung im Bundestag bleibt abzuwarten.