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Volkskrankheit Vorhofflimmern

6. November 2018

Vorhofflimmern ist nach wie vor die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung weltweit. In Deutschland leiden darunter aktuell rund 1,8 Millionen Patienten. Doch noch immer wird die Rhythmusstörung nicht schnell genug erkannt und behandelt – mit gravierenden Folgen: 
20 Prozent aller Schlaganfälle sind laut Deutscher Schlaganfallgesellschaft inzwischen auf Vorhofflimmern zurückzuführen, das sind über 50.000 Fälle pro Jahr in Deutschland. Wie also mit der Volkskrankheit Vorhofflimmern umgehen? Darüber diskutierten Haus- und Fachärzte aus der Region beim 18. Schwetzinger MiniSymposium, das die ze:roPRAXEN gemeinsam mit den Ärztenetzen Schwetzingen und Hockenheim im Lutherhaus in Schwetzingen veranstalteten. Namhafte Experten aus den umliegenden Kliniken gaben in ihren Impulsvorträgen einen spannenden Überblick über die aktuelle Forschung und ihre umfangreichen Erfahrungen aus der Praxis.

 

 

EKG per Smartphone
Bei Vorhofflimmern schlägt das Herz unregelmäßig, was sich durch Atemnot, Unruhe und Herzrasen bemerkbar machen kann. Ein klassisches EKG eignet sich zur Diagnose nur, wenn ein Arzt Vorhofflimmern bei einem Patienten bereits vermutet. Besser ist ein Langzeit-EKG, weil es über einen längeren Zeitraum aufzeichnet. Mittels Apps kann man auch selbst eine Herzrhythmusstörung aufspüren. „Es gibt inzwischen eine Smartwatch, die über einen EKG-Sensor mit zugehöriger App verfügt. Dieser kann den Herzrhythmus 24 Stunden am Tag monitoren und dabei helfen, Vorhofflimmern zu erkennen“, berichtete Prof. Dr. med. Bernd Waldecker, Chefarzt der Inneren Medizin I an der GRN-Klinik Schwetzingen.

In jedem Fall ist der Besuch bei einem Kardiologen zwingend notwendig, der dann eine umfassende Diagnostik durchführt. Und das ist wichtig. Denn Vorhofflimmern bedeutet eine mögliche Emboliegefahr oder eine Herzinsuffizienz bis hin zu einer höheren Sterblichkeitsrate. Je nach Ausprägung, Alter und Verfassung des Patienten entscheiden die Ärzte dann über entsprechende Therapien, wie die Einnahme von Gerinnungshemmern oder Medikamenten zu Senkung der Herzfrequenz. Trotzdem leiden Patienten mit Vorhofflimmern unter einem erhöhten Schlaganfallrisiko.

Vorhofflimmern kann zu Schlaganfall führen
„Durch Vorhofflimmern bedingte Schlaganfälle verlaufen in der Regel schwer“, machte Prof. Dr. med. Markus Haass, Chefarzt der Inneren Medizin II im Theresienkrankenhaus und St. Hedwig Klinik GmbH in Mannheim, in seinem Vortrag deutlich. Durch die Herzrhythmusstörung können sich vor allem in dem linken Vorhofohr, einem Anhängsel der linken Herz-Vorkammer, Blutgerinnsel bilden, die ins Gehirn wandern und dort einen Schlaganfall auslösen können. Aber auch eine andere Anomalie des Herzens kann zu einem Schlaganfall führen. Vorgeburtlich besteht eine Verbindung zwischen rechter und linker Herz-Vorkammer über das sogenannte Foramen ovale. Bei 20% aller Menschen verschließt sich dieses nicht in den ersten Tagen nach der Geburt. Man spricht in diesem Fall von einem „persistierenden Foramen ovale" (PFO). Durch dieses können Blutgerinnsel ins Gehirn gelangen und dort einen Schlaganfall im Sinne einer paradoxen Embolie auslösen.

Wird als einzige potentielle Ursache eines Schlaganfalls ein PFO festgestellt, sollte dieses bei Betroffenem im Alter zwischen 16 und 60 Jahren mit einem sogenannten Schirmchen verschlossen werden.

Jede Minute zählt – Angehörige können helfen
Kommt es zu einem Schlaganfall, zählt jede Minute. Werden Maßnahmen in den ersten Stunden nach Auftreten der Symptome, wie etwa halbseitige Lähmung der Gesichtshälfte, Sprachverlust oder Lähmung/Taubheit einer Körperhälfte, eingeleitet, bestehen gute Chancen. Doch gerade bei der Zeitangabe passieren die häufigsten Fehler, wie Prof. Dr. med. Marc Fatar, Leitender Oberarzt der Neurologischen Klinik im Universitätsklinikum Mannheim (UMM), erklärte. Angehörige können gut dabei helfen, wenn sie dem Rettungsdienst und Notarzt sagen können, wann der Patient zuletzt vollständig unauffällig war. Erfahrene Zentren wie das UMM können jedoch auch in schwierigeren Situation wie bei bestehender Blutverdünnung oder unklarem Symtombeginn beim Wachwerden noch Therapiemöglichkeiten anbieten.

Schlaganfallpatienten sollten dann in eine Klinik mit einer zertifizierten Stroke Unit aufgenommen werden. Dabei handelt es sich um eine Krankenstation mit spezieller Ausrichtung auf die Behandlung und Pflege von Schlaganfallpatienten, in der multidisziplinäre Teams Hand in Hand zusammenarbeiten. In der Region befinden sich Stroke Units zum Beispiel in Mannheim, Heidelberg und Ludwigshafen.

Über die Veranstaltungsreihe
Das Schwetzinger MiniSymposium ist eine gemeinsame Veranstaltung niedergelassener Ärzte der Metropolregion Rhein-Neckar und thematisiert für einen Abend in einem interdisziplinären Diskurs und in Impulsvorträgen renommierter Fachexperten medizinische und gesellschaftlich relevante Fragestellungen, die die Gesundheitsversorgung von heute und morgen betreffen